Es gibt diese Abende, da trommelt der Regen schon seit Stunden ans Fenster, die Jogginghose sitzt wie angewachsen und meine Hunde gucken mich an, als wäre ich persönlich dafür verantwortlich, dass es regnet. Sie haben absolut kein Bock auf Gassi, sagen aber trotzdem: „Mach was. Ich sterbe hier drin. Und zwar vor Langeweile.“
Und ganz ehrlich: In solchen Momenten will ich keine wilde Actionnummer in der Wohnung, bei der am Ende die Blumenvase wackelt und ich Puls habe wie nach nem Spinning Kurs. Ich will eine ruhige Beschäftigung mit viel Spaß und ein Ergebnis, das uns alle zufrieden aufs Sofa schickt.
Also: Tee gemacht. Tief ausgeatmet. Und dann habe ich unsere Wohnung in einen kleinen Indoor Parcours verwandelt.
Zwei Stühle wurden zum Slalom. Ein paar Bücher lagen plötzlich wie Cavaletti im Flur. Zwei Teppiche wurden zu Inseln, auf denen die Welt kurz stillsteht. Und zehn Minuten später war die Atmosphäre spürbar anders: Meine Hunde waren angenehm müde, ich war geerdet und dachte nur: Genau das brauchen Hunde (und ihre Menschen) an langen Tagen.
Wenn du also gerade auch so einen „Regenabend mit Hundeblick“ hast: Lass uns deine Wohnung kurz in ein Mini-Abenteuer verwandeln.
Warum ein Indoor-Parcours mehr ist als „Beschäftigung drinnen“
Viele denken bei Parcours sofort an Tempo, Sprünge und sportlichen Ehrgeiz. Aber in der Wohnung läuft das ganz anders und das ist auch gut so.
Hier geht es nicht darum, Energie rauszuballern, sondern sie in Aufmerksamkeit und Konzentration zu verwandeln.
Wenn dein Hund langsam um einen Stuhl herumgeht, bewusst über eine Linie steigt und erst auf dein Zeichen die nächste Aufgabe ansteuert, passiert etwas richtig Schönes:
- Er wird nicht einfach „platt“.
- Er wird zufrieden und ausgeglichen.
- Er bekommt dieses tiefe „Ich hab etwas gearbeitet“ Gefühl.
Und das ist genau das, was später für echte Kuschelbereitschaft udn einen entspannten Abend sorgt.
Suchst du gezielt nach Beschäftigung, die auch passt, wenn du krank bist und keine Lust auf aufbauen und viel Bewegung hast? Dann schau unbedingt einmal in diesem Blogbeitrag vorbei: 10 Ideen Deinen Hund zu beschäftigen, wenn Du krank bist
WTF-Fakt
Hunde werden nicht nur durch Bewegung müde, sondern vor allem durch Entscheidungen.
Gerade langsame, kontrollierte Aufgaben fordern das Gehirn und das ist oft viel effektiver als noch eine Runde „Ich renn im Kreis, weil ich nicht weiß wohin mit mir“.
Bonus-Effekt: Körpergefühl steigern
Ein Indoor-Parcours kann deinem Hund helfen, seinen Körper besser wahrzunehmen und zu sortieren:
- Hinterhand bewusster einsetzen
- Gewichtswechsel halten
- kontrolliert über etwas steigen statt loszustolpern
Ein Indoor-Parcours ist wie ein kleines Team Ritual, das euch beide ein wenig erdet.
Sicherheit, aber entspannt: Damit ihr euch wohl fühlt
Bitte einmal kurz die Basics, damit das Ganze nicht in „ich wollte eigentlich nur was Nettes machen, aber…“ endet.
- Rutschfest wäre super. Teppich, Yogamatte oder Decke mit Grip. Auf glattem Boden wird sonst alles hektischer.
- Nichts Wackeliges. Alles, was (um)kippen könnte, stabilisieren oder direkt weglassen.
- Keine Höhen. Cavaletti sind Linien, über die man bewusst steigt. Keine Hürden für Sprünge.
- Kurz ist besser. 8 bis 15 Minuten sind perfekt.
- Immer lieber zu früh aufhören. Wenn du denkst „ach komm, eine Runde noch“, ist oft genau der Moment, wo du stoppen solltest.
Mini Regel, die ich liebe:
Ende immer, wenn es noch schön ist. So hat dein Hund auch beim nächsten Mal wieder Lust darauf.
Was du brauchst:
Du wirst lachen. Der Parcours ist die Königin der Alltagsgegenstände.
- 2 bis 4 Stühle für Slalom
- ein paar Bücher oder Zeitschriften als Linien
- 1 bis 2 Teppiche oder Decken als Inseln
- ein Hocker als Target
- ein Wäschekorb als „Gasse“
- Kartons für Wege, die man bewusst passiert
Wenn du es ein bisschen „runder“ und sicherer magst, helfen ein paar der folgenden Dinge:
- eine rutschfeste Matte*
- ein Balance Kissen*
- Target Marker (Untersetzer gehen auch, aber die speziellen sind schön griffig)
Der Parcours Schritt für Schritt:
Lass uns einen möglichen Parcours nun gemeinsam Schritt für Schritt durchgehen
1) Start Matte: euer Anker
Lege eine Decke hin. Das ist eure Start Matte.
Du stellst dich daneben, atmest einmal bewusst aus und sagst deinem Hund etwas, das sich immer gleich anfühlt. Zum Beispiel:
- „Okay, wir starten.“
- „Bereit?“
- oder euer Signal wie „Auf geht’s“.
Wenn dein Hund schon „Sitz“ und „Schau“ kann, mach kurz: Sitz, Schau, Los.
So als „Hey, wir machen jetzt etwas zusammen“.
2) Stuhl Slalom: Zeitlupe, statt Rennen
Zwei Stühle so hinstellen, dass man im Zickzack vorbeigeht.
Und jetzt kommt der wichtigste Teil: Langsam.
Deine Hand führt auf Kniehöhe, deine Stimme bleibt liebevoll warm und du machst bewusst kleine Schritte.
Wenn dein Hund der Meinung ist dadurch zu sprinten gehst du nicht darauf ein, sondern führst ihn immer wieder langsam hindurch, bis er es verstanden hat. Durchgehen, nicht rennen. Glaub mir, das kann für aktive Hunde (ey, ich hab nen Border Collie ;)) wirklich eine Herausforderung sein.
Schreib’s dir mental auf:
Dein Tempo ist der Regler für seine Aufregung. Je langsamer du machst, umso eher fährt er runter.
3) Linienarbeit im Flur: bewusst setzen, nicht hüpfen
Lege 3 bis 4 Bücherreihen als schmale Linien auf den Boden, mit etwas Abstand.
Dann führst du deinen Hund drüber, als würdet ihr einen Mini Waldweg gehen:
Schritt… Pause… Schritt… Blick zu dir… weiter.
Das wirkt total unspektakulär und ist genau deshalb so gut.

4) Insel A: Hier passiert kurz gar nichts
Teppich oder Decke. Drauf stehen bleiben. 2 bis 5 Sekunden Ruhe.
Du sagst leise „gut gemacht“. Kein großes Tamtam und dann ruhig weiter machen.
5) Target-Station: Nase oder Pfote
Ein Hocker oder ein Marker.
- Mit der Nase antippen lassen ist oft der leichteste Einstieg.
- Das gleiche mit der Pfote ist super für die Körperkoordination, muss aber nicht gleich zu Beginn gemacht werden.
Wenn dein Hund bei Target total aufdreht: Einheiten kürzer machen, Anforderungen herunter schrauben udn weietrhin schön ruhig und langsam agieren.
6) Gasse: ruhig durch eine Enge gehen
Zwei Kartons oder einen Wäschekorb um einen „schmalen Weg“ zu formen.
Hier darf dein Hund lernen: Enge ist nicht schlimm, wir gehen da ruhig durch.
Tipp: Halte das Leckerli tief, damit der Kopf runtergeht. Das senkt bei vielen Hunden automatisch die Spannung.
7) Ziel-Matte: gleicher Ort, klares Ende
Am Ende wieder zurück auf die Start-Matte.
Sag dein Fertig-Signal. Belohnung ruhig ablegen. Gerne direkt hier einige ruhige Streicheleinheiten.
Und dann aknnst du entscheiden: Reicht es? Dann ab aufs Sofa. Ihr habt euch das verdient.
Hat dein Hund immer noch zu viel Power? Dann geht der Parcour durchaus auch ein zweites Mal. Aber achte darauf, hin nicht zu überfordern, wenn die Dinge alle noch neu für ihn sind.
So entsteht ein Flow ohne Hektik und ohne 1000 Wiederholungen
Am Anfang testest du Stationen einzeln:
- Mini Slalom
- Mini Linie
- Mini Insel
Dann verbindest du:
- Slalom + Insel
- Linien + Insel
- Target + Insel
- Gasse + End Matte
Wenn dein Hund rasen will: du wirst langsamer.
Wenn er nur an deiner Hand hängt: versuch deine Hilfe ein wenig abzubauen, gib ihm Zeit zu denken.
Wenn er plötzlich hochdreht: Extra Ruhe-Insel rein. Wenige Sekunden stehen reicht oft schon, damit er wieder ein wenig ruhiger und konzentrierter wird.
Drei Wohnungs Szenarien: passt in wirklich jede Bude
Szenario 1: Mini Wohnung, schmaler Flur
- Flur: Linienarbeit
- Küche: Stuhl Slalom
- Wohnzimmer: Inseln + Target
2 Durchgänge, fertig.
Szenario 2: Durchschnitt Wohnung, alles vorhanden
- Flur: Linien
- Wohnzimmer: Slalom + Target
- Küche: Gasse oder Wäschekorb Weg
- End Matte im Wohnzimmer
Eine Runde reicht hier amnchmal schon.
Szenario 3: Mehr Platz, du willst es richtig gemütlich machen
Du baust zwei kleine Schleifen:
- Technik Schleife: Slalom, Linien, Target
- Ruhe Schleife: Insel, Balance, Gasse
Und dazwischen immer euer Ritual: Sitz, Schau, Los.
Belohnen ohne die Ruhe zu verlieren
Ich liebe in Parcours-Einheiten Belohnungen, die das Tempo rausnehmen.
- Leckerli ablegen, statt nach vorne zu schnipsen
- Futter ruhig auf Insel oder Matte geben
- lieber kleine Portionen, öfter
Und am Ende, falls dein Hund das mag: Leckmatte* zum Runterfahren.
Ich liebe das tatsächlich sehr als Abschluss. Die Hunde fahren dabei richtig gut runter.
Unterwegs ist eine Futtertube* oder Leberwurst aus der Tube* super, weil sie nicht krümelt und du exakt dosieren kannst.
Wenn etwas hakt: sanft justieren
„Mein Hund dreht im Parcours auf“
Dann ist es zu schnell, nicht zu leicht.
- Abstände größer
- Stationen weniger
- Inseln häufiger
- Belohnung ruhiger
„Mein Hund ist unsicher in der Gasse“
Mach sie breiter. Oder ersetze Kartons durch Teppichkanten. Das wirkt enger, fühlt sich aber weicher an.
„Mein Hund rutscht auf dem Boden“
Bitte investiere in eine rutschfeste Matte. Das steigert enorm das Sicherheitsgefühl. Und plötzlich wird alles zehnmal ruhiger.
Drei Mini-Rezepte: als Anker für stressige Tage
1) Ruhig & Rund
Start Matte → Slalom → Insel → Target → End Matte
2) Linien Logik
Start Matte → 4 Linien super langsam → Gasse → Insel → fertig
3) Core & Control
Start Matte → Target Pfote → Balance Kissen (2 Atemzüge) → Target Nase → Inselwechsel → End Matte
Schon probiert? Schreib’s in die Kommentare, welches Rezept bei euch am besten klappt.
Was sich im Alltag dadurch verändert
Das Coole ist: Dieser Parcours bleibt nicht in der Wohnung.
Du merkst irgendwann draußen:
- dein Hund wartet kurz vor dem Bordstein
- schaut dich öfter an
- geht ruhiger los, weil er gelernt hat: langsam lohnt sich auch
Der Parcours ist nicht nur Beschäftigung. Es ist ein gemeinsames Abenteuer, dass ganz unauffällig viel Trainign enthält.
Und du lernst, dass Führen keine Lautstärke braucht, sondern Klarheit & Konsequenz.
Ein Wort zu Welpen, Senioren und Sprintern
Welpen
Bei Welpen gilt: lieber weniegr als zu viel. Mach die Einheiten kurz, wirklich kurz. Zwei, drei Stationen reichen völlig. Alles sollte easy sein, damit dein Kleiner Erfolg sammelt statt Frust. Hier geht es absolut nicht um Perfektion, kein „aber er muss das doch können“. Wenn er einmal ruhig um den Stuhl geht oder sauber über eine Linie steigt, ist das schon ein Volltreffer.Halte deine Erwartungen ganz klein, dafür darfst du ganz viel loben.
Senioren
Senioren profitieren von so einem Indoor-Parcours oft richtig doll, weil es das Körpergefühl anregt und trainiert und den Kopf beschäftigt, ohne dass man noch groß Strecke machen muss. Aber bitte: alles flach, warm und sicher. Keine wackeligen Experimente, keine engen Kurven auf rutschigem Boden. Lieber mehr Inseln zum Durchatmen, weniger Stationen insgesamt und genug Pausen. Wenn dein Hund am Ende ruhig und zufrieden wirkt, war es genau richtig.
Sprinter im Kopf
Und ja, auch die kleinen Raketen können ruhige Arbeit lernen. Am Anfang fühlt es sich manchmal an, als würdest du eine Schildkröte durch die Wohnung begleiten, während dein Hund innerlich schon drei Runden voraus ist. 😄 Aber genau da liegt der Zauber: du bleibst konsequent langsam, führst klar und belohnst ruhige Schritte. Wenn er hochfährt, wirst du nicht schneller, du wirst langsamer. Und irgendwann klickt es bei vielen Hunden plötzlich: „Ah okay, langsam ist gefordert und macht auch Spaß.“

Q&A: typische Fragen aus dem echten Leben
Wie oft macht man so einen Indoor Parcours sinnvoll?
2 bis 4 Mal pro Woche reicht völlig. Dazwischen gern kleine Schnüffelspiele oder Leckmatte. Auf meinem Blog findest du viele Ideen zur weiteren Beschäftigung. Falls du gezielt nach Denkspielen suchst, empfehle ich dir mein E-Book „Kleine Denkspiele, große Wirkung“
Wie lange sollte eine Session dauern?
8 bis 15 Minuten sind ideal. Wenn du gerade erst anfängst, eher 6 bis 10 Minuten. Achte hierbei auf deinen Hund. Die meisten Halter haben ein ganz gutes Gespür dafür, wann Schluss ist. Wichtig zu wissen: Wenn er nach ner Weile beginnt hochzudrehen ist das meist kein Ausdruck von zu wenig, sondern oft eher von zu viel. Denn viele Hund sind irgendwann drüber, wenn es zu viel war. Der Mensch darf da lernen frühzeitig entsprechende Signale zu lesen.
Was, wenn mein Hund nicht futtermotiviert ist?
Dann teste duftendere Belohnungen oder belohne anders: ruhiges Zergeln kurz, Streicheln, ein sanftes „ja“, oder ein Lieblingsspielzeug, aber bitte ohne Hochdrehen.
Geht das wirklich in einer Mini Wohnung?
Ja. Start Matte, zwei Stühle, ein Target. Mehr brauchst du nicht.
Brauche ich spezielles Equipment?
Nein. Dinge aus dem Haushalt reichen grundsätzlich. Extra Helfer machen es nur bequemer.
Fazit: euer Regenabend-Ritual für mehr „Wir-Gefühl“
Nach so einem Apartment-Abenteuer fühlt sich der Abend gleich viel ruhiger an.
Ein Indoor-Parcours ist wie ein Spaziergang nach innen. Ihr lauft keine Kilometer, ihr sammelt gemeinsame Momente. Dein Hund orientiert sich an dir, du gibst ihm Ruhe und eine Aufgabe. Und danach landet ihr auf dem Sofa, als hättet ihr beide einen kleinen Haken hinter den Tag gemacht.
Wenn dein Hund jetzt schon heimlich „Mehr davon!“ denkt: Denkspiele sind die perfekte Ergänzung, weil sie dieses ruhige, tiefe Auslasten nochmal auf ein anderes Level bringen. Ich empfehle dir hier mein neuestes E-Book, weil er alltagstauglich ist und du die Aufgaben super in kleine Einheiten packen kannst. Hier geht´s zum E-Book: „Kleine Denkspiele, große Wirkung – 15 DIY-Denkspiele für mehr Ruhe im Alltag“
So. Und jetzt du: Welcher Gegenstand wird bei euch heute Abend zur Slalomlegende? 😄







